Mix Tape

Seoul – Berlin

Juli 2017

gefördert durch das Goethe Institut und den Seoul Art Space Mullae

 

 

DER INTERNATIONALE KONGRESS

August 2017

In Zusammenarbeit mit der Geflüchtetenunterkunft im ICC Gebäude Berlin

Hebbel am Ufer, Januar 2017

Im Rahmen des Festivals „Utopische Realitäten – 100 Jahre Gegenwart mit Alexandra Kollontai“

 

 

Sechs Jungen stranden als Schiffbrüchige auf einer einsamen Insel. Keiner weiß, ob sie jemals in die Zivilisation zurückkehren werden. Welche Strategien müssen sie entwickeln, um das gemeinsame Überleben zu sichern? Und was braucht es, um als Gemeinschaft zu funktionieren?

In Anlehnung an Thomas Morus` „Utopia“ erschaffen die sechs Jungen ihr eigens Inselreich: sie machen das Eiland zu ihrem Lebensraum, schaffen Regeln für ihr Zusammenleben und suchen nach Lösungen um mit dem Dasein in der Wildnis fertig zu werden. „Beginner“ erzählt von dem Neuanfang nach dem Schiffbruch: Womit beginnt man, wenn noch nichts da ist und alles möglich zu sein scheint? Und welche Fragen bekommen fernab der Zivilisation plötzlich existenzielle Bedeutung? Die Zuschauer werden selbst zu Gestrandeten und landen in einem neuen Utopia, errichtet von sechs Jungen aus Berlin Kreuzberg.

 

Von und mit Schülern der Klasse 9A der Hector-Peterson-Schule

 

Künstlerische Leitung: Franziska Seeberg

Bühnenbild: Janina Janke

Leitung Houseclub: Ciprian Marinescu

Assistenz: Franka Müller und Lidia Veljanova

 

Hebbel am Ufer/HAU3, März 2016

Im Rahmen des Festivals „Arbeit Liebe Geld“

 

 

Video: Kassiererin

 

‚Homo ludens‘ versus ‚homo faber‘: Der spielende und der arbeitende Mensch stehen sich anscheinend unvereinbar gegenüber. Doch wo befinden sich die Schnittstellen, an denen sich beide Lebensrealitäten überschneiden und ineinander greifen? Unter dem Titel “Arbeit und Spiel” setzen sich die Schüler*innen der Klasse 8A2 der Hector-Peterson-Schule im Rahmen des Festivals „Arbeit Liebe Geld“ am HAU künstlerisch mit diesen Themen auseinander und entwickeln ein autobiografisch-dokumentarisches Theater-Projekt.

Im Rahmen der Produktion lernen die zehn Schüler*innen verschiedene Berufe kennen, befragen ihr Umfeld nach dessen Arbeitserfahrungen und blicken in die eigene Zukunft. Auf welche Arbeitswelt werden die Jugendlichen stoßen, wenn sie die Schule beenden? Welche Wünsche und Träume verbinden sie damit? Und wo steckt das spielerische Potenzial in den Arbeitsrealitäten, denen sie im Laufe ihrer Recherche begegnen?

 

von und mit: Leyla El-Jindawi, Marcel Kath, Sherin El-Touki, Abdellatif Assaf, Amani Fadwa Koussa, Mustafa Eren Özdilberler, Hilal Kaya, Lena Fares, Medine Atik, Rabia Rüdiger

 

Künstlerische Leitung: Franziska Seeberg
Video, Bühnen- und Kostümbild: Janina Janke
Projektleitung HAU: Chiara Poma Rinklef
Assistenz: Laia Ribera
Projektleitung Schule: Benita Bandow

 

Das Festival „Arbeit Liebe Geld – 5 Jahre Houseclub“ ist gefördert aus Mitteln des Projektfonds Kulturelle Bildung

 

Fotos der Exkursionen von den Schüler*innen:

Stiftung Warentest

Artistenschule

Polizei

Kosmetikschule

Deutscher Krebskongress

 

Fotos der Aufführungen:

Hebbel am Ufer / HAU 1, Juni 2015

Im Rahmen des Festivals „The Power of Powerlessness“

 

Edit Kaldor - Inventar der Ohnmacht - HAU1-8

 

 

Für “Inventar der Ohnmacht” kommen im HAU Hebbel am Ufer Dutzende Teilnehmer unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft aus Berlin zusammen, um ihre Erfahrungen von Machtlosigkeit und ihr Wissen darüber zu bündeln. Die verschiedenen individuellen und oft sehr persönlichen Erlebnisse werden in einer kollektiven Situation mit dem Publikum geteilt und erkundet. Die daraus entstehenden Diskussionen und Impulse hinterfragen die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen, die unser Leben bestimmen.

 

Konzept: Edit Kaldor

Realisation: Franziska Seeberg, Arved Schultze, Christiane Kühl, Nenad Čupić

 

Mit: Annekathrin Bach, Lisa Benjes, Sonia Dimitrow, Richard Djif, Ingo Gentes, Fränk Heller, Heide Höppner, Solène Jimenez, Verena Kammerer, Silja Korn, Pauline Krekeler, Peggy Luck, Catharina Mäge, Mathilde, Oleg Myrzak, Yukiko Nagakura, Alexander Nagel, Katharina Rösch, Peguy Rodrigije, Rita Stelling, Abdi Toufali, Elsa Triquet, Udo Wiegand und Alper Yildiz

 

 

 

 

Theater an der Parkaue, Mai 2015

 

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„Wenn man das so sieht was gerade in Ost und Nahost passiert und jetzt auch mit den Flüchtlingen – dagegen geht es uns hier in Deutschland ja gold. Wir leben in einem Goldland.“

 

Menschen zweier Generationen treffen aufeinander. Jugendliche interviewen Zeitzeugen, die zwischen 1922 und 1938 geboren wurden und fragen nach deren Kindheit und Jugend im Zweiten Weltkrieg.
In den Gesprächen werden die Lebenswege und Schicksale der einstigen Kriegskinder nachgezeichnet. Zugleich gewähren die biografischen Erzählungen einen persönlichen Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus und des Krieges. Von welchen einschneidenden Erlebnissen wissen die Zeitzeugen zu berichten? Welche Ängste und Nöte haben sie durchlebt? Und welche Hoffnungen, Träume und Wünsche trugen sie in sich?
Das Theaterprojekt GOLD LAND handelt von dieser Begegnung. Wir sehen Menschen zweier Generationen, die miteinander ins Gespräch kommen und sich einander annähern. Das Stück stellt die Frage, wie wir über Erlebnisse und Erfahrungen kommunizieren, die manchmal nicht in Worte zu fassen sind. Und wie der Erinnerungsprozess ein Teil dieser kommunikativen Erfahrung werden kann.

 

Regie: Franziska Seeberg

Ausstattung: Judith Philipp

Dramaturgie: Karola Marsch

 

Von und mit: Saskia von Brockdorff, Karen Ehrlich, Rahel Mann, Klaus Peschke, Klaus Riemer, Walter Sylter und SchülerInnen der Anne-Frank-Oberschule

 

Eine Kooperation des Anne Frank Zentrum Berlin, des Theater an der Parkaue und der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Gefördert aus Mitteln des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.

 

 

 

Ein Theaterprojekt basierend auf Zeitzeugenberichten

Ballhaus Ost/Volkspark Prenzlauerberg, 2014

 

rosemarie © Christof Zwiener

 

Trailer

 

Elf Menschen und ihre Erzählungen über den Zweiten Weltkrieg sind Ausgangspunkt für dieses Theaterprojekt. Die einzelnen Geschichten der Menschen gewähren einen individuellen und zugleich facettenreichen Einblick in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Sie vermitteln ein Bild der damals vorherrschenden Moralvorstellungen und spiegeln ein Denken wider, das aus heutiger Sicht zwar häufig schwer nachvollziehbar erscheint aber dennoch weit in unser Leben hineinreicht.

Aufführungsort des Theaterstücks ist der Trümmerberg Volkspark Prenzlauer Berg. Hier lud man nach der Zerstörung Berlins 1945 die Reste des Alexanderplatzes ab. Dieser historisch aufgeladene Ort wird zum Schauplatz der Intervention – die Trümmer des einstigen Berlins unter den Füßen, begeht der Zuschauer die Kulisse für die Erzählungen der Zeitzeugen. Und so macht sich jeder Zuschauer einzeln in Begleitung eines Schauspielers auf den Weg und hört eine Geschichte.

 

Mit Christoph Glaubacker, Julian Hackenberg, Anne Haug, Kai Meyer, Cathrin Romeis, Lisa Scheibner, Melanie Schmidli, Florian Simon, Urs Stämpfli, Fabian Stumm, Mariel Jana Supka und Marco Wittorf

Künstlerische Leitung: Sonya Schönberger

Dramaturgie: Franziska Seeberg

Produktion: Johanna Malchow

Assistenz: Anna Berndt

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Heike Diehm, k3 berlin

 

In Kooperation mit dem Ballhaus Ost. Gefördert durch Mittel des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Sentaskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.

 

(…) Zahlreiche Zweierpärchen stapfen durch den Park. Sie werden beobachtet von Obdachlosen, die im Park einen Rückzugsraum gefunden haben. Sie kreuzen die Wege von Joggern, die über die grasüberwachsenen Trümmerscherben federn.

Die Geschichten, die die Zuschauer hören, verbinden sich auf subtile Art mit dem unmittelbaren Umfeld. Wenn von der Flucht des jüdischen Teenagers Richard aus dem von den Deutschen besetzten Polen nach Ungarn berichtet wird und man sich auf kleinen Pfaden durch das Dickicht schlägt, fühlt man sich für einen Moment sinnlich und körperlich in die Fluchtsituation versetzt. Steigt man im Park Treppen und erfährt dabei vom Erschlagen zweier jüdischer Frauen, die von einem SS-Kommando ein Treppenhaus hinunter gejagt wurden, dann steht vor dem inneren Auge auf jeder Treppenstufe hier im Park ein schwarz Uniformierter, und man meint, die Schläge auf dem eigenen Rücken zu verspüren. Steht man auf dem Gipfel des Trümmerbergs, dann verschmilzt der sichtbare Horizont mit den Fluchtzielen Syrien und Palästina oder den Pyrenäen, die vor der Abfahrt nach Amerika lagen.

(…) Am Ende, zurückgekehrt zum Ausgangsort, kann man sich dann mit anderen Zuschauern über die Biografien, in die sie getaucht sind, austauschen. Ein wenig Enttäuschung bleibt freilich auch zurück, weil man eben nie alles erfahren kann, was parallel erzählt wurde. Gleichzeitig wird aber wieder deutlich, wie klein die Tropfen unseres Wissens aus dem Meer der Erfahrungen der Menschen, die vorher über diesen Erdball tappten, doch ist. Ein Spaziergang, der Empathie und Demut produziert; das sind durchaus keine schlechten Effekte.

(Neues Deutschland, 9.9.14)

 

 

 

* ein Willkommensgruß

 

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Mai 2014

 

31 SchülerInnen der Melanchthon-Schule in Hellersdorf bauen ein Gästezimmer für Alteingesessene und Neuankömmlinge in Berlin.

Im Sommer 2013 eröffnete eine neue Flüchtlingsunterkunft in der Carola-Neher-Straße in Berlin-Hellersdorf. Die Flüchtlinge wurden von den Anwohnern mit gemischten Gefühlen empfangen. Manche Hellersdorfer fühlten sich von der Entscheidung für den Standort der Unterkunft überfordert oder bedroht und reagierten mit Ablehnung bis hinzu Fremdenfeindlichkeit. Andere solidarisierten sich mit den Neuankömmlingen und zeigten Gastfreundschaft auf vielfältige Art und Weise.

Das Projekt „Gästezimmer“ knüpfte an diese sensible Situation an und erforschte gemeinsam mit SchülerInnen im Alter von 10-11 Jahren, was Gastfreundschaft hierzulande und im Kontext anderer Kulturen bedeutet. Dazu wurde ein Gästezimmer in den Räumlichkeiten der Freizeiteinrichtung „Die Arche“ gebaut und eingerichtet.

Das Projekt setzte sich aktiv mit der Frage auseinander, wie wir unser Zusammenleben mit den Flüchtlingen gestalten und wie wir dabei unser Verständnis von Gastfreundschaft im Privaten auf die allgemein-gesellschaftliche Ebene der Flüchtlingspolitik übertragen wollen. Denn nicht zuletzt ist es der Umgang mit den Flüchtlingen, der etwas über uns und unser Selbstverständnis erzählt und der Idee, die sich hinter dem „wir“ verbirgt.

 

Von und mit SchülerInnen der Klasse 5a des Melanchthon-Gymnasiums in Berlin Hellersdorf

Künstlerische Leitung: Franziska Seeberg und Katharina Rohde

Bau: REFUNC

Videodokumentation: Anna Faroqhi und Haim Peretz

Pädagogische Begleitung des Projektes: Antje Maeder

 

Eine Produktion von Franziska Seeberg in Kooperation mit dem Melanchthon-Gymnasium Berlin Hellersdorf. Gefördert aus Mitteln des Fonds Kulturelle Bildung. Mit freundlicher Unterstützung der Arche Hellersdorf.

 

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Ein Musiktheater

Ballhaus Ost, 2014

 

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OSTERN IN KUNOVICE begibt sich auf die Spuren einer Fotografie, die vor zwei Jahrzehnten im tschechischen Dorf Kunovice aufgenommen wurde: Wir sehen vier Kinder und einen Mann in einer Wohnstube. Eines der Kinder hält eine Geige in der Hand, ein anderes spielt Blockflöte. Niemand schaut in die Kamera. An der Wand hängen Gemälde, im Esszimmerschrank stapeln sich die Kristallgläser und im Vordergrund liegen Schokoladenostereier in einer Schale auf dem Tisch. Wer sind die fünf Menschen auf dem Bild? Wie ist es ihnen seit dem Osterfest ergangen? Und in wessen Wohnzimmer befinden wir uns?

OSTERN IN KUNOVICE verknüpft dokumentarisches Material mit den Mitteln des Musiktheaters und unternimmt eine Reise in ein Bild. Schicht für Schicht werden die Geheimnisse des 20 Jahre alten Fotos aufgedeckt. Dabei verbinden sich Tonaufnahmen aus Kunovice mit tschechischen Volksliedern und werden Teil einer Soundkomposition, die sich dem Foto auf musikalische Weise annähert. Vor uns sehen wir das Bild und hören die beinahe schon vergessenen Geschichten, die es uns erzählt. Wir lernen die Menschen auf dem Foto kennen und erfahren, wie sie damals gelebt haben und wie ihr Leben heute ist. Gemeinsam kehren wir zurück zu den Ursprüngen des Bildes, die weit in der Vergangenheit liegen.

 

Mit Franziska Dick und Cathrin Romeis

Regie + Text:  Franziska Seeberg + Lisa Vera Schwabe

Komposition: Norbert Lang

Sounds aus Kunovice: Lukáš Tvrdoň

Ausstattung: Judith Philipp

Maske: Berenice Ammann

Technische Leitung: Ralf Arndt

Pressefoto: LUCIE

Fotodokumentation: Manuel Kinzer

Videodokumentation: Manuel Kinzer

Produktionsleitung: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro

 

Eine Produktion von Franziska Seeberg in Kooperation mit dem Ballhaus Ost. Gefördert durch Mittel des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Sentaskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, den Fonds Darstellende Künste, der Rudolf Augstein Stiftung und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts.

 

 

 

Das sieht man als etwas sehr Gelungenes auf der Ballhausbühne. Das Stück weckt ein mährisches Interesse, von dem ich nichts wusste. Es geht von etwas Einfachem aus und gestattet in der Verwandlung seinem Gegenstand eine Reise auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

(livekritik, 15.5.2014)

 

Wie mit einer Lupe versuchen Franziska Seeberg und Lisa Vera Schwabe (Regie und Text) Vergangenes, das in der Erinnerung verschwindend klein geworden ist, wieder zu vergrößern. In jeder Vergrößerung liegt aber auch eine Verzerrung. Eine Verzerrung, die mitunter Imagination ist. Das Gedächtnis versucht stets, Kausalitäten zu erzeugen und mit erdichteter Logik, Vergangenes neu darzustellen. „Kunovice“ taucht die Erinnerung in nostalgisch-historischen Glanz gleich buntgefärbter Ostereier.(…) Klang fungiert in “Ostern in Kunovice. Ein Musiktheater” als Träger von Emotion und Erinnerung (Komposition: Norbert Lang; Sounds aus Kunovice: Lukáš Tvrdoň). Mal sind es abstrakte, kaum zuzuordnende Tonaufnahmen, Umweltgeräusche aus dem Ort der Kindheit, die den Prozess der Rekonstruktion einer verblassten Vergangenheit begleiten. Mal ist es ein Knabenchor vom Band, der die Akteurinnen entzückt schwelgen lässt. Und mal ist da ein abgehackter Beat – allegorisch für das Stop-and-go der Gedankenarbeit, bei der stoßartig und in Wortform die Erinnerung hervorsprudelt. (…) Das Wunderbare ist, die Inszenierung nutzt Elemente, die jeder aus eigener Erfahrung kennt. Ein Geruch in der Nase: Omas deftige Gulaschsuppe. Die peitschenden Weidenruten der Jungen und man zieht mit angstgepaarter Freude den Hintern ein.

(Unruhe im Oberrang, 19.5.2014)

 

 

Interview-Film

Ethnologisches Museum Berlin/Humboldt Lab Dahlem, 2012/13

 

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Herr Dr. Bolz, Kurator und Leiter der Nordamerika-Abteilung des Ethnologischen Museums, steht im Zentrum des Filmprojekts. Im Winter 2012 wurde er pensioniert und verließ nach 25 Jahren die Museen in Berlin-Dahlem. Gemeinsam mit ihm und seinen Erzählungen bewegt sich ein kleines Filmteam durch die Räume des Museumsgebäudes und betrachtet die größte Nordamerika-Sammlung Europas. Jeder dieser Orte spiegelt eine Facette des umfangreichen Wissens von Herrn Bolz wider. Sein Fachwissen, seine Geschichten sowie sein persönlicher Werdegang als Wissenschaftler rücken angesichts unzähliger Exponate in den Vordergrund. Der nahezu 30 stündige Film „Wissen erzählen“ bewahrt die individuellen Erfahrungen und das angesammelte Wissen des Ethnologen und Nordamerikaspezialisten Herr Dr. Bolz für nachkommende Generationen von WissenschaftlerInnen und MuseumsbesucherInnen.

Öffentliche Präsentation 19. Juni 2013

Laufzeit der Installation bis Oktober 2013

 

Produktion: Filmgestalten

Regie: Janina Janke und Franziska Seeberg

Kamera: Sunyam Riegger

2. Kamera: Dennis Schnieber

Ton: Manuel Vogt

Schnitt: Anja Keyßelt

Produktionsassistenz: Claudia Schütt

Foto: Manuel Kinzer

 

Eine Projekt des Humboldt Lab Dahlem

 

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Eine Untersuchung des Zuhause-Gefühls ab acht Jahren

In Kooperation mit Theater Kormoran, Hildesheim, 2010

Eingeladen zum Spurensuche Festival 2012

 

THEATER KORMORAN - Haus an Haus -

 

Was brauchst du, um dich zuhause zu fühlen? Den Geruch der Creme deines Vaters? Die Geräusche eures Hauses in der Nacht? Oder die richtige Mischung aus Chaos und Ordnung in deinem Zimmer?
 Alle kennen das Bild vom Häuschen mit rotem Spitzdach, dem qualmenden Schornstein darauf und einem Baum daneben. Unsere persönliche Deutung von Zuhause aber ist individuell verschieden und beschränkt sich nicht nur auf vier Wände und eine Tür. Es gibt viele Arten und Möglichkeiten, an einem Ort oder bei bestimmten Menschen zuhause zu sein. 
Das Theaterstück HAUS AN HAUS baut diese Möglichkeiten von Zuhause nach, reißt sie wieder ein und setzt sie zusammen mit dem Publikum neu zusammen. 
Vor und während des Produktionsprozesses haben die Künstlerinnen mit Kindern aus Hildesheim gearbeitet. Immer ging es um die Frage, was das eigene Zuhause ausmacht. Die gesammelten Beschreibungen von Gegenständen, Ritualen, Geräuschkulissen und Aussichten sind Teil der Bühnenperformance geworden. Da wird Weihnachten gefeiert, sich gestritten und Pfannkuchen gebacken. Ganz wie Zuhause.
So erfährt das (kindliche) Publikum, dass das Zuhause aus gemachten Momenten besteht, die man selbst gestalten kann. Eine Mappe mit Spielen, Anregungen, Texten und Forschungsfragen begleitet jedes Kind nach Hause und ermöglicht eine weiterführende Auseinandersetzung.

 

Mit Lisa Schwabe und Sabine Stein

Regie: Franziska Seeberg

Musik: Jannis Kaffka

Kostüme: Soo Eun Lee

Gestaltung: Greta Hoheisel

Dramaturgie: Elisa Priester

Fotos: Andreas Hartmann

 

HAUS AN HAUS entstand als Koproduktion mit dem Theaterhaus Hildesheim

 

 

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Ab Zuschauer ab acht Jahren richtet sich das Einfühlungsspiel, das von beiden Schauspielerinnen mit einer einnehmenden Mischung aus Warmherzigkeit und trockenem Witz umgesetzt wird – zugleich dürfte es aber in seiner nachdenklichen Nostalgie auch älteres Publikum in seinen Bann ziehen. Denn tatsächlich gelingt es, das Vertrauteste auf den Prüfstand zu stellen und Gedanken anzuregen über das Umfeld, das man für sich selbstverständlich hält. Über die Rituale, die genauso in Fleisch und Blut über gehen wie die Rollen, die einzelne Familienmitglieder im zeitgenössischen Patchwork spielen. (…) Dabei bleibt die Form immer spielerisch, keine Geschichten werden erzählt, sondern Erkenntnisse gesammelt. Und weil hier alles so offen ist, bekommt das Publikum am Ende eine wunderbar zusammen gestellte Mappe überreicht, die es selbst ausfüllen kann und mit der es sich fragen kann, was ein Zuhause zum Zuhause macht.

(Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 12.12.2010)

 

Das Stück nimmt die Lebenswelten der Jüngsten ernst, es versieht es nicht mit einem Erklärbären oder stülpt ihm eine Moral über. Weil es das tut, regt das Gezeigte die Zuschauer an, den Ist-Zustand bewusst wahrzunehmen. Und ihn dann zu hinterfragen.

(Der Tagesspegel, 22.1.2012)

Versuche zur Überwindung der Schwerkraft

Café Keese, 2010

 

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Trailer

 

TELEMONDIAL ist dokumentarisches Theater und große Oper zugleich: Ein Musiktheater-Abend im Café Keese in der Bismarckstraße, der diejenigen ins Rampenlicht holt, die sonst im Halbdunkel des Zuschauerraums sitzen – die Opernliebhaber. Welche Wünsche kann die große Oper erfüllen und welche nicht? Wie lassen sich überbordende Emotionen domestizieren und zuhause wieder erleben? Und wie kann man dem Tenor, dem Objekt der Begierde, näher kommen und näher und noch näher?
Ausgangspunkt von TELEMONDIAL ist Traudlinde Drobbe, als Autogrammjägerin in den 80er Jahren Stammgast an der Bühnenpforte der Deutschen Oper Berlin, und ihr umfangreiches Fotoarchiv. Im legendären Tanzlokal Café Keese verbinden sich ihre Sammlung, Interviews und Berichte zu ihrem Leben und die spektakulärsten italienischen Operntode zu einem Versuch über stille Sehnsucht, ganz große Gefühle und Techniken der Aufbewahrung.

 

Die Sammlung der Traudlinde Drobbe

Vor einiger Zeit tauchten im Archiv der Deutschen Oper verschiedene Aktenordner auf, zusammengefasst in einem Karton. Niemand konnte erklären, wie diese Aktenordner dorthin gekommen waren oder wer sie ins Archiv gelegt hatte. Auf einmal waren sie da.
Traudlinde Drobbe, ein begeisterter Fan des Opernhauses an der Bismarckstraße, hatte in den 1980er-Jahren alle ihre Opernbesuche und Fotos mit den legendären Stars minutiös dokumentiert und in einer Sammlung zusammen geführt, die neben einer Sehnsucht nach großer Oper auch von einer großen Leidenschaft für Ordnung erzählt.

 

Mit Bonnie Cameron, Franziska Dick und Jördis Richter

Regie: Franziska Seeberg und Johannes Müller

Musik: Armin Pommeranz

Bühne und Kostüme: Lee Soo-eun

Dramaturgie: Julia Schreiner

Maske: Elena Irsigler

Technische Leitung: Ralf Arndt

Fotos: Benjamin Krieg

 

Eine Produktion von OPER DYNAMO WEST und ehrliche arbeit – Freies Kulturbüro.
Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin. Unterstützt durch die Deutsche Oper Berlin, die Staatoper Unter Den Linden Berlin und das Café Keese.

 

 

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Die Inszenierung untersucht die Beziehung zwischen Opernstars und deren Fans »anhand einer wahren Begebenheit«, wie es bei Filmen heißt, denn die Frau, um die es hier geht, gab es tatsächlich: Die fanatische Opernliebhaberin Trautlinde Drobbe war im Westberlin der 80er regelmäßige Besucherin der Deutschen Oper und Stammgast an der Bühnenpforte, wo sie ihren Lieblingssängern auflauerte und um Autogramme und Fotos bat…
Um diese Sammlung der längst Verstorbenen, um unerfüllte Sehnsüchte und Ersatzbefriedigungen kreist die Inszenierung (Regie: Franziska Seeberg und Johannes Müller) in einem ironisch-ernsthaften Diavortrag über Drobbes Archivierungsmethoden, rezitierten Aussagen von Kollegen und Freundinnen sowie erdachten Spielszenen, in denen der Wunsch der Opernfans nach totaler Nähe zu ihrem Idol auf die Spitze getrieben wird… und doch sind es gerade diese zugleich komischen und traurigen Szenen, die berühren und Verständnis wecken für Menschen, denen die Oper und deren Stars Ersatz werden für ein eigenes Leben.
Neues Deutschland, 25. Oktober 2010, von Anouk Meyer

Es gilt der pathosfreie Grundsatz: alles kann zu Oper werden und alles kann die Sehnsucht nach ihr hervorrufen. So entstand das neueste Projekt, untergebracht in einem Westberliner Tanzlokal mit Damenwahl…Kann man Erlebnisse und Emotionen archivieren? Die opernarchäologische Untersuchung, die da im Café Keese mit Dias, Arien, Hammondorgel zelebriert wurde, handelt von einer stillen Sehnsucht und den großen Gefühlen, zumal von den Grenzen der Aufbewahrung unserer Erinnerungen. Nein, es müssen nicht immer Orpheus, Don Giovanni und Parsifal sein… die blühende Opernlandschaft Berlins reicht weit, und sie kann sich auch im Minimalistischen verästeln.
Süddeutsche Zeitung, 2. November 2010, von Wolfgang Schreiber

 

Die Plexiglastelefone auf den runden samtbedeckten Tischen läuten nicht. Die Tresen um die Saalecken liegen im Dunkeln, die Discokugel über den knatschigen Tanzdielen schimmert gelblich und erinnert an den Mond, das dramatische Attribut fast jeder klassischen Opernaufführung… Im Café Keese wird nicht getanzt und nicht geflirtet, es wird gestorben nach allen Regeln der Theaterkunst … Café Keese, das legendäre West-Berliner Tanzlokal in der Bismarckstraße als Aufführungsstätte, das war ein dringender Wunsch der Theatermacher. Es gehört zum Credo der Theaterkompanie Oper Dynamo West, markante Orte für ihre Produktionen zu suchen….
RBB Kulturradio, 12. Oktober 2010, von Vera Block

Amerika Haus, 2010

 

Hatje Cantz Buchcover

 

Im Oktober 2010 nistete sich OPER DYNAMO WEST im Amerika-Haus ein und präsentierte das Buch „OPER DYNAMO WEST – Die Stadt als Bühne“ (Hatje Cantz Verlag). Nach der Book Release Party öffnete sie für eine Woche die Türen des Amerika Hauses  und lud zu öffentlichen Gesprächsrunden mit Westberliner Legenden. Zudem gab es im Kinosaal des Amerika Hauses filmische Ortserkundungen und Dokumentationen der OPER DYNAMO WEST zu sehen.

 

 

Dass aber die Sache mit der westlichen Freiheit eine komplexe ist, das lehrt uns die Rückschau auf den Kalten Krieg. Seine Baudenkmäler stehen im Westen, unter anderem in Dahlem (Audimax der FU), Tiergarten (Haus der Kulturen der Welt) oder in der Charlottenburger Hardenbergstraße. Das Amerika Haus dort wurde zeitweise so stark von Steinewerfern frequentiert, dass seine Fensterscheiben aus Kunststoff waren. Hier nun nistet sich ab Freitag die Musiktheaterformation Oper Dynamo West ein, um nach diesem und anderen vergessenen magischen Orten des Westens zu forschen, öffentliche Gesprächsrunden mit Westberliner Legenden, filmische Ortserkundungen und Dokus früherer Produktionen anzubieten, bevor dann am 14. 10. im Café Keese in der Bismarckstraße (ansonsten Schauplatz von Bällen für einsame Westherzen) „Telemondial -Versuche zur Überwindung der Schwerkraft“ Premiere hat.
taz berlin, 28. September 2010, von Esther Slevogt

 

Den leeren Westteil Berlins erforscht seit einigen Jahren das innovative Musiktheaterensemble Oper Dynamo West

Das Amerika-Haus dient derzeit vor allem als Präsentationsort einer Werkschau der Gruppe. Filme – wie z.B. die bemerkenswerte Reportage über das Leben im sogenannten Sozialpalast in der Schöneberger Pallasstraße – und Aufzeichnungen einiger Inszenierungen werden im Kinosaal gezeigt. Oper Dynamo West erweisen sich auch hier als Kuriositätenjäger eines im Strudel der Postmoderne versinkenden alten Westens. Mit ihrem Basislager im Amerika-Haus geben sie zudem die Möglichkeit, einen einstmals stark aufgeladenen Ort wiederzuerobern. Noch zufällig herumstehende Stadtmodelle der City West, wie sie einmal entstehen soll, und eine an der Wand vergessene Luftbildaufnahme eines vergangenen Zustands muten wie inszeniert an; sie illustrieren die Übergangsphase, in der sich dieser Teil der Stadt gegenwärtig befindet. Ein Ort und auch ein Oeuvre zum (Wieder-)Entdecken.

Neues Deutschland, 8. Oktober 2010, von Tom Mustroph

Und es gibt seit 2006 Oper Dynamo West, ein winziges frei schwebendes Kollektiv der Unverwechselbarkeit – Perfomance-Kunst will Alltag verzaubern. … Die Book-Release-Party im Berliner Amerika-haus übte beschwingtes Understatement mit Jazz. … Was unterscheidet die ODW vom alten Prinzip Oper? Sie will „das Musiktheater-Potential der Realität“ überprüfen, …
Süddeutsche Zeitung, 2. November 2010, von Wolfgang Schreiber

 

Eine phonographische Anstrengung

Hebbel am Ufer, 2009

 

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In den Kellern des Ethnologischen Museums Berlin schlummern tausende Tondokumente, die mit Hilfe des Phonographen im 19. Jahrhundert auf beschwerlichen Reisen gesammelt wurden. AMAZONAS begibt sich auf Expedition ins Wachswalzenarchiv, folgt den Spuren der Forscher und sammelt dabei Reiseberichte, technische Daten und zerkratze Melodien und Rhythmen aus aller Welt. Mit Hilfe der Tondokumente kehrt AMAZONAS zu den Momenten zurück, als die Forscher sich schwitzend, zitternd und übermüdet auf der Jagd nach Musik durch die Fremde kämpften. Über die Jahre hinweg lagerte sich Staub in den Rillen der Wachswalzen ab. Durch sein Knistern und Rauschen hindurch erklingen Trommeln im Urwald, chinesische Gesänge und Schweizer Jodelchöre.

AMAZONAS fragt nach den Anstrengungen des Archivierens zwischen Wachswalzen und digitalen Datenmassen und lässt vor den Augen des Zuschauers eine Collage aus Kompositionen, Texten und Bildern entstehen.

 

Mit Kirsten Burger, Hauke Heumann und Dominik Kleinen

Regie: Franziska Seeberg

Mitarbeit Regie: Johannes Müller

Musik: Merzouga/Eva Pöpplein und Janko Hanushevsky

Bühne und Kostüme: Philine Rinnert

Lichtentwurf: Max Stelzel

 

Eine Produktion von OPER DYNAMO WEST und Produktion ehrliche arbeit – freies Kulturbüro.

In Kooperation mit dem Hebbel am Ufer Berlin.

Mit freundlicher Unterstützung des Berliner Phonogramm Archivs des Ethnologischen Museums Berlin.

Gefördert durch den Berliner Senat und den Fonds Darstellende Künste e.V.

 

 

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Das Material von „Amazonas“ unter der Regie von Franziska Seeberg kommt tief aus den Eingeweiden der Stadt: Im Ethnologischen Museum in Dahlem lagern tausende von Tondokumenten, die europäische Forscher in Afrika und Asien vor über 100 Jahren mit dem Phonographen und den Wachswalzen aufgenommen haben. In der Bearbeitung des Duos Merzouga wird daraus eine Zeitreise in die Geschichte des Speicherns von Musik. Drei Darsteller geben vor, eine Sendung in einem Tonstudio aufzunehmen, tatsächlich sind sie aber nichts anderes als selbst Speichermedien, die den in Erfahrungsberichten geronnenen Blick der Forscher vortragen und die alten Walzen abspielen. Es rauscht, knirscht und zischt, man hört ferne Gesänge und Trommeln. Obwohl der Abend keine Geschichte im eigentlichen Sinnen hat, erzählt er doch vom Ende des auratischen Charakters von Musik und den versuchen, ihren flüchtigen Charakter festzuhalten. 

(Tagesspiegel, 12.12.2009)

 

Es rauscht, es knarzt, es knackt. Verzerrte Stimmen singen in einer nicht verständlichen Sprache zerkratze Melodien und rätselhafte Klänge. Indianergesänge aus Mexiko, aufgenommen im 19. Jahrhundert, präsentiert auf einer Bühne, die aussieht wie ein Tonstudio. (…) In dieser Szenerie dreht sich alles um den Klang, genauer um Aufnahmen in Wachs. Diese Klänge nahm die Regisseurin Franziska Seeberg als Basis für ihr Stück AMAZONAS. Zusammen mit dem Komponistenduo Merzouzga erdachte sie eine Collage aus Schauspiel, Dokumentar- und Musiktheater. (…) Für ewig konservierte Erinnerungen auf der Bühne des HAU 3, mitten im schnell vergänglichen digitalen Zeitalter.

(RBB Kulturradio, 10.12.2009)

Halle an der Saale, 2009

Gefördert durch das Thalia Theater Halle und der Deutschen Bank Stiftung im Rahmen des einjährigen Stipendiaten-Programms FORMAT – Neue Wege in der Kultur

 

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Ich sah eine Stadt im Wandel.

Wohin würde sich Halle entwickeln? Boten die Bracheflächen und ruinenhaften Zerklüftungen, die so typisch waren für das Stadtbild, einen Freiraum, der darauf wartete, mit neuen Ideen gefüllt zu werden? Oder waren sie Vorboten eines Verschwindens, eines baldigen urbanen Todes?

Auf meinen Stadt-Erkundungen kam ich am Steg-Gelände vorbei – kurz vor der Wende wurde hier ein Ensemble aus drei identischen Punkthochhäusern fertig gestellt. In der Zeit meines Aufenthaltes wurde das Haus am Steg Nr. 5 abgerissen. Langsam, geradezu behutsam war der Abriss. Ein Stockwerk pro Woche; so lautete der Plan. Die einzelnen Wandfragmente wurden aus dem Gefüge des Hauses gefräst und an einen Haken gehängt. Ein Kran hob die Last und legte sie auf einer Halde ab. Dieser Vorgang wiederholte sich jede Stunde etliche Male: Ruhig, konzentriert, anmutig. Schwebende Wände, die am Himmel vorbei zogen – für einen Moment schwerelos, scheinbar von der Last der eigenen Materie befreit.

Angesichts des Steghochhauses Nr. 5 entwickelte ich die Idee, einen Festakt auf den Fundamenten des gerade abgerissenen Hauses zu initiieren: Ein Abschiedsgruß an den Steg Nr. 5, verwoben mit Erinnerungen einzelner Personen an den die DDR und die Zeit der Wende. Eine der schwebenden Wände sollte als eine Art Erinnerungsobjekt  Teil des Festaktes werden. So bekamen wir eine Wand geschenkt: 6 Tonnen schwer, 3 Meter hoch und 7 Meter lang.

Ein Chor sollte den Festakt auf musikalische Weise begleiten. Ich suchte einen Hallenser Seniorenchor, in der Hoffnung, dass die einzelnen Mitglieder mir auch von ihren Erfahrungen in Halle während der DDR-Zeit erzählen würden. Meine Suche führte mich zum Singekreis Halle. Über mehrere Monate wurde ich selbst Mitglied des Chores, lernte sein Repertoire, verbrachte mit dem Chor ein Wochenende auf einer Burg und lernte so nach und nach die einzelnen Menschen kennen. Ein Großteil des Chores war am Ende bereit, den Festakt auf dem Steggelände mitzugestalten – mit Liedern und Interviews, die als Material in den Festakt mit einfließen würden.

Am Abend des 27. Juni war es dann soweit. Etwa 150 Gäste trafen ein um mit uns gemeinsam in Form eines Richtfestes das verschwundene Steghochhaus noch einmal aufleben zu lassen.

 

Von und mit dem Singekreis Halle e.V.

Künstlerische Leitung und Regie: Franziska Seeberg

In Zusammenarbeit mit: Philine Rinnert

Musikalische Leitung: Ulrich Hellem

Gesang: Julia Preußler

Sprecher: Johannes Müller

 

 

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Franziska Seeberg lud am Ende der Festivaltage zu einem nächtlichen Richtfest auf dem Gelände des ehemaligen Steghochhauses #5 im Glauchaviertel ein. So war dann der Titel „Am Steg #5“ für ihr Projekt auch nicht verwunderlich und zugleich Programm des Abends. Die Kulisse bestand aus einer geretteten Platte des ehemaligen Wohnturms am Glauchaer Platz, einer reich gedeckten Tafel und dem noch stehenden Punkthochhaus im Hintergrund. (…) Erinnerungen an eine im Rauch gefangene Stadt in der Winterzeit, verursacht von den damals üblichen Kohleöfen, wurden geweckt. Der Segen von Warmwasser aus der Wand in den neuen Häusern aus Beton ließ die Altbauten zunehmend verfallen. Der Spaziergang durch die Geschichte und die Straßen der Stadt Halle wurde vom Chor mit Wanderliedern gebrochen und illustriert. Aber auch der nüchterne Vortrag von Zeitungsartikeln aus dem damaligen SED-Bezirgsorgan „Freiheit“ hatte leicht satirische Züge. Das trockene Verlesen durch Johannes Müller ließ noch einmal die Lobhudelei der DDR-Medien aufleben. Doch die Krönung, eine Art Abgesang auf die geliebte gehasste Platte, war eine Arie aus Henry Purcells Oper „Fair Queen“. Julia Preußlers Stimme schwebte durch die kühle Sommernacht und verkündete: See, even night her self is here…

(Salikus, 7.7.2009)

 

Können Sie sich noch an des Steg Hochhaus Nummer 5 erinnern? Der letzte Akt des ehemaligen 22-Gerschossers wurde am Abend des 27. Juni gefeiert – ausgerechnet mit einem Richtfest. Franziska Seeberg zelebrierte ihren Festakt gemeinsam mit rund 150 Gästen. Ein sechs mal zwei Meter großes Wandelement – einziges Überbleibsel des Betongiganten – diente als Projektionsfläche für ihr Stück „Am Steg #5 – Ein Richtfest“. (…) Hauptdarsteller waren die 17 Mitglieder des Singekreis Halle. Sie sponnen mit ihren Geschichten ein Netz aus Wegen durch Halle, die sie früher durch die Stadt führten. Während  Aufnahmen von der Umgebung rund um das ehemalige Hochhaus und der Abriss des Plattenbaus noch einmal als Projektionen auf der Wand zu sehen waren, sang der Chor bekannte Wanderlieder. (…) Nach einer Stunde fiel der Vorhang unter großem Beifall des Publikums.

(HWG Mieterpost, August 2009)

Zentraler Omnibusbahnhof Berlin (ZOB), 2008

 

Cairo 10

 

CAIRO! SHANGHAI! BOMBAY! lud zur Fahrt an den Zentralen Omnibusbahnhof Berlin.
In den 60er Jahren war der ZOB unter dem Funkturm Vorbild für viele andere Busbahnhöfe. Mit seinen Anzeigetafeln und Durchsagen, mit Wartehalle und Imbiss ist er heute ein hochorganisierter Durchgangs- und Aufenthaltsort für Menschen, die billig reisen müssen. Ein Ort harter Realität, an dem mit jeder Reise traumhafte Sehnsüchte in die Ferne gehen und im Verborgenen an der Zukunft des Verkehrs gearbeitet wird.
OPER DYNAMO WEST erforschte den ZOB und nutzte ihn zum Nachdenken: Über Geld, das man hat oder nicht hat, über Reisen, die man gern machen würde, und über den Preis von Benzin. Die Zuschauer bewegten sich mit ihren Mixtapes frei auf dem Gelände und trafen auf selbsternannte Reise-Experten oder Bankrotteure, auf Wissenschaftler oder auf Frauen, die gerade von der Maniküre kamen.

 

Regie: Kirsten Burger, Janina Janke, Johannes Müller und Franziska Seeberg

Mixtape: Benjamin Krieg und stefanpaul

Ausstattung  Lee Soo-eun

Sound Wartehalle: Olaf Giesbrecht

Technik: Ralf Arndt

Fotos: Benjamin Krieg

 

Eine Produktion von OPER DYNAMO WEST und ehrliche arbeit.

Mit freundlicher Genehmigung durch DB Station&Service. Mit freundlicher Unterstützung der Internationalen Omnibusbahnhof Betreibergesellschaft, der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und des Theaterhaus Mitte.

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

 

 

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Berlin – Selbst wenn man schon tausendmal durch einen Bahnhof gegangen ist, gibt es noch etliche unbekannte Ecken. Wie die ehemalige DB-Lounge im Bahnhof Zoo, die zwar längst der Vergangenheit angehört, aber jetzt Treffpunkt einer etwas anderen Busreise ist… Hier hat sich bereits ein bunt zusammen gewürfelter Haufen von Leuten eingefunden, die alle irgendwie verlegen schmunzeln. Schließlich weiß keiner, was einen wirklich erwartet. Geht es doch an einen exotischen Ort, den man sonst wohl nie aufgesucht hätte: Den Zentralen Omnibusbahnhof Berlin, kurz ZOB genannt. … Denn der ZOB ist der neueste Spielort der Oper Dynamo West. Das Musiktheater- Ensemble spielt an ungewöhnlichen Orten im Westteil der Stadt, wobei die Inszenierungen stets die Umgebung spiegeln. Kirsten Burger, Janina Janke, Johannes Müller und Franziska Seeberg haben einen so aufwendigen wie spannenden Abend auf dem Gelände inszeniert. Mit Kopfhörern und einem MP3- Player bewaffnet, kann man das Mysterium ZOB auf eigene Faust erkunden. … Schauspieler sitzen derweil auf Bänken, winken zum Willkommen oder zum Abschied. Wer weiß das hier schon so genau?… Oder man lauscht einem kuriosen Gespräch zwischen zwei Berlinern. Eine junge Frau im Trainingsanzug und mit Strass behangen setzt sich neben sie. Typisch osteuropäisch, denkt man sofort, verflucht sich leise für dieses Vorurteil. Doch dann singt sie plötzlich etwas Osteuropäisches und silbernes Konfetti rieselt
von der Decke herab. Ein bisschen Billig-Glamour für den nüchternen ZOB. Eine verrückte, aber auch sehr authentische Bahnhofs(theater)erfahrung.

Von Ulrike Borowczyk, Berliner Morgenpost, 20. September 2008

Ein Traum wird wahr: Sie steigen am Bahnhof Zoo in den Bus und fahren einfach so nach Cairo, nach Shanghai oder Bombay. Keine Bange, für diesen Trip müssen Sie nicht Tage im Bus verbringen, sondern sich lediglich auf eine Reise mit der Theatertruppe Oper Dynamo West begeben. Die fahren Sie zum Zentralen Omnibusbahnhof Berlin und lassen dort mit Soundkollagen und Theaterszenen die Realitäten und Träume der großen weiten Welt wahr werden…

Radio eins, 26. September 2008, 19:00 Uhr

Und wo die anderen ihre Spielzeit erst beginnen, ist sie bei der Oper Dynamo West schon wieder zu Ende. Dafür aber an einem ganz speziellen Ort: dem Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB) am Westberliner Funkturm. Dort, wo es so trist und zugig ist, dass man sich schon ganz automatisch nach fernen Ländern sehnt, hat Dynamo West ihr Projekt „CAIRO! SHANGHAI! BOMBAY!“ angesiedelt, in dem es um die Möglichkeiten des Fortkommens und die Träume vom Woanderssein geht.

taz Berlin, Esther Slevogt , 16. September 2008

 

Theaterstück von Rainer Werner Fassbinder kombiniert mit „Frauenliebe und -leben“ von Robert Schumann

Supermarkt im Wrangelkiez/Hebbel am Ufer, 2008

 

odw_fassbinder2008_1_©benjaminkrieg

 

Ein leerer Supermarkt in Berlin Kreuzberg. Hinter der Fensterfront: Leopold, Franz, Anna und Vera in einer Wohnzimmerlandschaft zwischen Käseschnittchen und Häkelgardinen. Die „Komödie mit pseudotragischem Ende“ von Fassbinder trifft auf die biedermeierliche Romantik von „Frauenliebe und –leben“.  Das innige Einverständnis mit bürgerlichen Konventionen stößt auf die Bereitschaft zur Ektase – bis zur Selbstauflösung.

Was ist aus dem Wunsch der 68er Generation, eine liberalere und gleichberechtigtere Gesellschaft zu gestalten, passiert? Welche Spuren dieses Aufbruchs lassen sich in unserer heutigen Zeit finden? Und welche Ideen gingen verloren und wichen altbekannten Strukturen? „Tropfen auf heiße Steine“ stellt die großen gesellschaftlichen Fragen über Freiheit, Selbstbestimmung und Macht und führt sie dahin zurück, wo sie ihren Ursprung haben: in die private Welt der eigenen vier Wände.

 

Regie: Franziska Seeberg

Musikalische Leitung: stefanpaul

Bühne und Kostüme: Julie Rüter

Dramaturgie: Johannes Müller

Fotos: Benjamin Krieg

 

Franz: Dominik Kleinen

Leopold: Walter Sprungala

Anna: Franziska Dick

Vera: Ernestine Tzavaras

Gesang: Sabine Hill

Klavier: stefanpaul

 

Eine Produktion von OPER DYNAMO WEST und ehrliche arbeit – Freies Kulturbüro.

In Kooperation mit dem Hebbel am Ufer, Berlin.

Eine Koproduktion von Schloss Bröllin aus den Mitteln des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

 

 

 

Eine kleine, aber wirklich äußerst feine Beziehungskrisenmeldung kommt zum Beispiel von der vom Hebbel am Ufer koproduzierten Oper Dynamo West. Die freie Truppe hat sich auf die Erkundung ausgemusterter Immobilien in den Berliner Westbezirken spezialisiert und lädt … zur Feier der Paarkrise in einen leer stehenden Supermarkt… Die Regisseurin Franziska Seeberg hat das alles ganz genauso ernst, schwarzhumorig, traurig und unterhaltsam erzählt, wie es eben ist.

Tagesspiegel – 11 Juli 2008, Christine Wahl

 

Dieses Stück, das Fassbinder selbst nie auf die Bühne brachte, hat Franziska Seeberg jetzt mit der Oper Dynamo West komisch, berührend und rasant inszeniert. Die freie Theatergruppe ist bekannt für Musiktheater an abwegigen Orten, in Zoos, Motels oder Rotlichtvierteln. »Tropfen auf heiße Steine« spielt in einem Supermarkt, der seit Jahren leersteht. Die Scheiben sind verklebt, Passanten machen sich trotzdem lautstark bemerkbar. Die radikale Privatheit der Figuren in ihrem Eicherustikal-Siebziger-Jahre-Einbau-Spießer-Albtraum (Ausstattung: Julie Rüter) wird bei dieser Premiere am Freitag kontrastiert durch das öffentliche Leben im Hier und Jetzt.

junge Welt – 8. Juli 2008 – Conny Gellrich

 

Die Dialoge sind knapp, aber messerscharf. Fassbinder analysiert mit geradezu wissenschaftlicher Kälte die Stadien einer Beziehung. Von der Verführung, über die erste Liebe, bis zur Verflachung im Alltag. … Einmal lässt die Regisseurin die Schumannsche Sehsucht direkt ins Fassbinderstück hinüberschwappen. Die Akteure singen und wirken so zart und verletzlich. Für einen Moment blitzt Erhabenheit auf. Doch dann gehen die Machtkämpfe weiter. Als es am Ende einen Toten gibt, erscheint das folgende Lied fast wie ein zynischer Kommentar… Mal beißen sich Schumann und Fassbinder, mal kommen sie gut miteinander aus. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Deutschlandfunk, Corso – Sendung am: 4. Juli 2008 – Oliver Kranz

 

Die Theatergruppe „Oper Dynamo West“ will Orte im Westen der Stadt kulturell wiederbeleben … der Anspruch wird seit zwei Jahren und einer Handvoll Projekten mit Engagement durchgehalten… Als passend verkommenen Ort haben sich die Regisseurin Franziska Seeberg und ihr Team einen ausgeräumten Supermarkt im Wrangel-Kiez ausgesucht… Putzen, sich für den Koitus bereithalten und dann wieder putzen – so richtig mag Franz in dieser Rolle nicht aufgehen, auch wenn er das Ekel Leopold „schon sehr gern“ hat. Er nimmt Gift, verabschiedet sich telefonisch von seiner Mutter, die ihm eine gute Reise wünscht, wirft sich eine scheußlich geblümte Tischdecke über den Kopf und stirbt.

Berliner Zeitung – 7. Juli 2008 – Feuilleton – Ulrich Seidler

Theater an der Parkaue, Winterakademie 3

In Zusammenarbeit mit dem DSCHUNGEL WIEN (Wien) und TIYATROTEM (Istanbul)

Dong Xuan Center Berlin Lichtenberg, 2008

 

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Unter dem Motto SAGEN WIR WIR SETZEN ÜBER erforschten Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen das Phänomen des Übersetzens. In zehn Laboren untersuchten sie, die Zustände des nicht mehr und noch nicht, die Lücke zwischen status quo und neuer Übersetzung. Untersucht wurden die kreativen Momente während einer Übersetzung, die Zeit oder die Strecke: was geschieht, wenn von einem Ufer zum anderen und von einer Sprache in eine andere übersetzt wird, wenn ein Zahnrad Kraft übersetzt, wenn aus Computersprache eine Anwenderoberfläche wird und aus Alltag Kunst, wenn Malerei in Musik sowie Energie in Bewegung übersetzt wird?

HANOI EXPRESS begab sich auf die Reise nach Vietnam. Ausgestattet mit Fotokameras, Aufnahmegeräten, Stift und Papier besuchten wir Hanoi – und das inmitten Berlins. Ziel unserer Reise war der Dong Xuan Center in Lichtenberg, einem der größten Vietnamesischen Märkte Berlins. Dort tauchten wir ein in eine Welt der fremden Gerüche und Klänge, interviewten Menschen zu ihrem Leben und ihren Erinnerungen an Vietnam und suchten nach den Spuren zauberhafter Gestalten der Vietnamesischen Märchenwelt. Am Ende der Projektwoche hatte das Publikum die Möglichkeit mit einem Reisebus zum Dong Xuan Center zu fahren und unter der Leitung der Kinder die Hallen zu besuchen.

 

Laborleitung: Franziska Seeberg und Julie Rüter

Laborbegleitung: Anne Paffenholz

Laborassistenz: Lisa Schwabe

Fotos: Julie Rüter

 

 

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Klein-Hanoi wird dieser teil Lichtenbergs genannt, weil dort gut 200 Händler in drei Hallen ihre Produkte und Dienstleistungen feilbieten. Die Kinder und Jugendlichen nahmen für ihre Erkundungen das vietnamesische Märchen vom Tempelgeist als Ausgangspunkt. Ohne Scheu gingen sie bei ihren Recherchen auf die Verkäufer zu. „Wie sagt man Landstraße auf Vietnamesisch?“, fragten sie beispielsweise. „Duong Pho“, antwortete Verkäufer Minh Chau und buchstabierte das komplizierte Wort. Alle Antworten wurden mit Tonbandgeräten dokumentiert. (…) Das Projekt Hanoi Express begriff das Übersetzen als Reise in ein anderes Land. „Und das kann auch innerhalb Berlins statt finden“, so Julia Schreiner, Kuratorin der Winterakademie.

(Berliner Zeitung, 12.1.08)

Ein Jazz-Theater inspiriert durch die Kurzgeschichte „Entropie“ von Thomas Pynchon

Bikinihaus Berlin, 2007

 

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Es ist ein Jahrhundertfrühling. In diesem Jahr setzte er viel zu früh ein. Doch später wird sich niemand mehr an ihn erinnern. Außer mir, und dir vielleicht. Und während die Temperatur da draußen seit Tagen ungewöhnlich hoch ist, versuchen wir unser Treibhaus gegen den Weltuntergang abzuschotten.

 

Entropie beschreibt irreversible Prozesse in der Natur. Ein Beispiel für einen irreversiblen Prozess ist ein Glas, das von einem Tisch auf den Boden fällt und zerspringt. Nach Rudolf Clausius ist dieser Prozess irreversibel, da er nicht spontan in umgekehrter Richtung ablaufen kann. In der Tat ist noch nie beobachtet worden, wie die Splitter eines Glases sich spontan wieder zusammensetzten und das neu entstandene Glas auf einen Tisch sprang.

 

Regie: Franziska Seeberg

Bühne und Kostüme: Julie Rüter
Dramaturgie: Miron Hakenbeck
Technische Leitung: Ralf Arndt

Foto: Benjamin Krieg

 

Mit Annekathrin Bach und Nico Nothnagel

Yelena K & The Love Trio : Yelena Kuljic (vocal), Kristian Kowatsch (piano), Rodolfo Paccapelo (bass), Jan Roth (drums)

Fleisch & Schön: Beatrice Fleischlin und Sonya Schönberger

 

Eine Produktion von OPER DYNAMO WEST und ehrliche arbeit – Freies Kulturbüro.
Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Karl-Hofer-Gesellschaft.

 

 

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Junge Künstler bespielen vorübergehend das Bikini-Haus. Ein leer stehendes Gebäude übt auf das Ensemble der OPER DYNAMO WEST eine geradezu unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Dann werden die Räume für eine Zwischennutzung okkupiert. Eine Musiktheaterproduktion entsteht und belebt den nach der Wende kulturell recht vernachlässigten Westen neu. Die Künstler betrachten bei ihrer Auseinandersetzung mit der Architektur die Stadt als ihr Bühnenbild. Das Ergebnis sind ungewöhnliche Inszenierungen. Wie „Entrópia“, eine chaotische Party zwischen Jazz und Physik nach der Kurzgeschichte „Entropie“ des viel diskutierten Autors Thomas Pynchon. Ersonnen von Regisseurin Franziska Seeberg mit dem Ensemble sowie Yelena K & The Love Trio, der Performance-Gruppe Fleisch und Schön und Annekathrin Bach. Pynchons Themen Paranoia, Entropie und Todessehnsucht werden in einem Treibhaus kurz vor dem Weltuntergang reflektiert. Schwerer Stoff, beschwingt aufbereitet.

(Berliner Morgenpost, 22.3. 2007)
 

Das Jazz-Theater-Stück „En Tròpia“ der Initiative OPER DYNAMO WEST untersucht im halbleeren Bikini-Haus den Zustand der „Entropie“. Ein eigentlich physikalischer Begriff für eine energetische Zustandsbeschreibung, die unter anderem besagt, dass Wärme nie spontan von einem kälteren auf einen wärmeren Körper übergehen kann – sagt zumindest Max Planck. Ziemlich kompliziert. Weshalb sich die Regisseurin Franziska Seeberg auch auf die gleichnamige Kurzgeschichte von Thomas Pynchon beruft und ihr Stück nicht auf szenisches Schauspiel begrenzt, sondern eine Collage von Jazz-Musik, kurzen Dialogen und einer Installation ausweitet.

Ähnlich einem physikalischen Experiment lebt „En Tròpia“ von der Wiederholbarkeit: ganze fünf Mal vollzieht sich die Begrüßung von Ihr und Ihm in einer festgelegten Handlungsabfolge. Doch immer wieder ändert sich der energetische Zustand der Beziehung – mal ist man einander neutral, das andere Mal herzlich warm, zuletzt ist man sich spinnefeind. Alles ist zunächst synchron, verschiebt sich jedoch in zeitlichem Ablauf zur Asynchronität. Entropie, ein Zustand für Chaos? Bleibt noch der Hinweis der Darsteller, draußen seien es stets 37 Grad Celsius. Wir sind selbst Teil des Körpers Erde, will diese Andeutung sagen. 

(Berliner Morgenpost, 26.3.2007)

 

Die West-Berliner Stadtbezirke haben in Sachen Theaterdichte in den letzten Jahren deutlich abgebaut. Das Projekt OPER DYNAMO WEST stellt sich dieser Entwicklung beherzt entgegen. Mit dem u.a. von Thomas Pynchon, Chet Baker und einem Hauptsatz der Thermodynamik inspirierten En trópia zeigt das junge Ensemble eine ungewöhnliche Symphonie aus Jazz, Physik und den Klängen der Großstadt.

(Tagesspiegel, 29.3.2007)

Theater im Bahnhof Zoo

Bahnhof Zoologischer Garten, 2007

 

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Jahrzehnte lang stand der Bahnhof Zoo für Glanz und Elend der Enklave West-Berlin, heute zeigt seine Ablösung als Fernbahnhof die neuen Gewichtungen in der wiedervereinigten Stadt an. Was verändert sich mit diesem urbanen Umbruch für den Einzelnen, was entsteht dadurch neu? Welche Hysterien, welche Hymnen löst der Wandel aus? Für die FORT_FÜHRUNG unterhielt sich die Oper Dynamo West mit Menschen, die im Bahnhof Zoo arbeiten oder leben, die den Bahnhof verwalten oder regelmäßig nutzen: Ladenbetreiber, Obdachlose, Bahnangestellte oder Pendler. Auf einem Parcours durch den Bahnhof Zoo erlebten die Zuschauer in kleinen Gruppen das Ergebnis der Recherche.

 

Regie: Franziska Seeberg, Johannes Müller, Janina Janke

Raumkonzept und Kostüme: Philine Rinnet und Julie Rüter

Technik: Ralf Arndt

Servicebereich: Annekathrin Bach, Brigitte Cuvelier, Cathrin Romeis

Schließfächer: Christina Heiße, Olaf Dröge

Reinigung: Katharina Hauch, Anja Hegen, Soo Eun Lee, Remo Lotano

Gleis 3/4: Kirsten Burger

Wartehäuschen: Christin König, Dors Erbring-Kahn, Katharina Hauck, Joachim Konrad, Michael Stoerzer, Olaf Dröge, Horst Moye

Große Halle: Ruth Rosenfeld, Dominik Kleinen, Kirsten Burger, Sina Rohner

Hostessen: Erika Haaksma, Hiep Han, Hsung Huang, Hoi Yan, Kaye Tai, Eun-A Kim, Su Jeong Kim, Mi-kyoung Kim

 

Eine Produktion von Oper Dynamo West und ehrliche arbeit – freies Kulturbüro

Mit freundlicher Unterstützung der Deutsche Bahn AG.

Gefördert durch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf Berlin, Kulturamt.

 

 

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Trailer

 

Im Bahnhof Zoo, einst quirliges Wahrzeichen und schmuddeliges Foyer der Frontstadt Westberlin, rauschen die ICEs heute nur noch durch. Statt Reisender bevölkern Penner und Punks verstärkt das Terrain. In der ehemaligen DB-Lounge sitzt eine heruntergekommene Dame im Rollstuhl, der gleichzeitig ein fahrender Zeitungsstand ist. Kaum dass sich jemand nähert, knipst sie einen herzzerreißenden Gesichtsausdruck an und bietet zitternd eine Obdachlosenzeitung zum Verkauf. Doch die Dramatik ihrer Mimik provoziert unwillkürlich die Frage: Bettelt sie noch oder spielt sie vielleicht schon Theater? 

Diese Frage stellt sich in der Ex-DB-Lounge zurzeit recht oft, denn sie ist Ausgangspunkt eines Projekts der Theaterformation „OPER DYNAMO WEST“, die der verblassenden Aura Westberlins verfallen ist und seine verödeten Orte jetzt für das Theater entdeckt. Bald wird man aus der Lounge von drei eskimohaft weiß gekleideten Damen asiatischer Herkunft abgeholt und auf verschlungenen Wegen treppauf und treppab durch den Bahnhof geführt. In einem Raum treffen wir zwei Hostessen (Annekathrin Bach und Brigitte Cuvelier), die Butterbrote schmieren und über bessere Zeiten sinnieren. Auf Gleis drei sieht man in eisiger Kälte eine schrill, aber äußerst leicht bekleidete Dame (Kirsten Burger) in Zeitlupe den Bahnsteig wischen. … Spätestens jetzt sind die Grenzen, die Wirklichkeit und Spiel im Theater meist klar von einander trennen, verwischt.

Wieder unten in der Halle, sehen plötzlich alle Leute wie gecastete und von versierten Kostümbildnern typengerecht gestylte Darsteller aus. Ein junges Junkiepaar zum Beispiel, das unter einer Anzeigetafel lungert: das könnte mühelos auch in einer Schaubühneninszenierung vorkommen. Aber nein, das Paar ist wohl echt, denn die Eskimohostessen ziehen stoisch an ihnen vorüber und steuern eine miefige Schließfachallee an, in die bald ein merkwürdiger überirdisch lächelnder junger Mann (Olaf Dröge) im Rollstuhl rollt. Aus einem der größeren Schließfächer windet sich dann tatsächlich eine echte Schaubühnenschauspielerin heraus, Christina Geiße, und spielt mit Dröge ein in unbeholfene Zärtlichkeitsrituale vertieftes Paar.      

Und so geht es weiter, das Spiel mit den Wahrnehmungs- und Theatergewohnheiten. … Am Ende wirkt der Bahnhof Zoo wie verwandelt, die eigenen Wahrnehmungsraster gründlich aufgemischt – mehr, als man sonst oft aus dem Theater mit nach Hause nimmt.

(taz Berlin, 14.2.2007)

 

Am Bahnhof Zoo herrscht tote Hose. Doch jetzt kommt wieder Leben in den alten „Hauptbahnhof von Westberlin“. 19 junge Schauspieler sorgen für eine „Fort-Führung“. So heißt das ebenso verrückte wie nachdenkliche 75-Minuten- Stück. Das Ensemble „Oper Dynamo-West“ macht den Bahnhof zur Show-Bühne für ihr experimentelles Theater. Ob Wartehalle, Bahnsteig, Kantine, Gepäckfach, Sitzbank oder Auskunft – alles wird zur Bühne für Installationen, Sketche, Tänze und Monologe.

(B.Z., 12.02.2007)

Ein inszenierter Stadtspaziergang

 

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Die EIN_FÜHRUNG führte vom Bahnhof Zoo, über die Joachimstaler Straße und den Kurfürstendamm zur Bundesallee. In Form einer inszenierten Stadtführung wurden die Teilnehmer in kleinen Gruppen nachts durch die illuminierten Straßen geleitet. Hostessen führten das Publikum von Station zu Station. Dort warteten Darsteller, die Rollen typischer Protagonisten dieses Bezirks übernommen hatten. Die Geschichten dieser Figuren wurden aus Gesprächen, die Franziska Seeberg und Janina Janke zuvor mit realen Personen geführt hatten, ausgewählt und zusammen gestellt. Die Interviews gaben Einblick in den Arbeitsalltag und die Persönlichkeit der Porträtierten – die Realität der Umgebung verband sich mit der Fiktionalität der Darstellung.

 

Regie: Franziska Seeberg und Janina Janke

Interviews und Texte: Janina Janke, Franziska Seeberg, Oliver Spatz

Dramaturgie: Oliver Spatz und Julia Schreiner

Kostüme: Philine Rinnert und Julie Rüter

Klanginstallation: stefanpaul

Video- und Raumkonzept: Janina Janke, Philine Rinnert, Julie Rüter

Technik: Ralf Arndt

 

Kassiererin Ullrich Supermarkt: Ulrike Bindert

Verkäuferin Beate Uhse: Kirsten Burger

Mitarbeiterin Balayi Magazasi: Annekathrin Bach

Doorman Swisshotel: Martin Heesch

Polizist Synangoge: Michael Stoerzer

Sängerin Musikhochschule: Ruth Rosenfeld

Hostesse #1: Soo Eun Lee

Hostesse #2: Kaye Hoy-yan Tai

Hostesse #3: Hyo-Jin Shin

Hostesse #4: Jeonghong Park

 

Eine Produktion der Oper Dynamo West

Mit freundlicher Unterstützung von: Ullrich Supermarkt, Beate Uhse, Balayi Magazasi, Swisshotel und Stempelmeister.

Gefördert vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf Berlin, Kulturamt.

 

 

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Die Inszenierung der Oper Dynamo West wolle versuchen, „mit dem zunehmenden Leerstand in der City West“ künstlerisch umzugehen, sagt Regisseurin Frnziska Seeberg (…) Von Nostalgie will Seeberg, geboren in Tokio, nichts wissen. Sie sieht das Anliegen der Kunstaktion darin, die Berliner für eine schleichende Entwicklung zu sensibilisieren: „Dass es imm er stiller wird in und um die City West.“ Dabei habe diese nach wie vor ihre Qualitäten. Nicht nur als Ort, an dem Berliner und Touristen einkaufen, sondern auch historisch, architektonisch, kulturell. „Und es wird geprägt durch die Menschen, die dort leben und arbeiten.“

(Berliner Zeitung, 20.7.2006)

 

„Leerstand in den Glanzpalästen. Harald Juhnke ist tot. Brigitte Mira auch. Big Eden gehört nicht mehr Rolf. Die Lasershow im Zoopalast wird abgeschafft. Das Schillertheater liegt brach.“ So beschreibt die von Studenten gegründete Oper Dynamo Wehrst den Zustand rund um den Zoopalast. Oper Dynamo West will aber den Leerstand füllen, es führt Besucher bei einer Aufführung durch das abendliche West Berlin. Franziska Seeberg und Janina Janke haben Menschen, die in der Gegend um den Zoo leben und arbeiten, befragt; die halbstündigen Interviews kondensierten sie zu knapp 10-minütigen Texten, die sie nun von Schauspielerinnen und Schauspielern präsentieren und spielen lassen. Uniformierte Hostessen führen mit flottem Schritt die Besucherinnen und Besucher dieser ungewöhnlichen Theateraufführung von Ort zu Ort. Margit Miosga hatte, wie gesagt, einen ganz wunderbaren Abend, beispielsweise mit einer Sängerin, einer Verkäuferin bei Beate Uhse und der Kassenleiterin in einem Supermarkt.

(RBB Kulturradio, 22.7.2006)

 

Der Berliner Westen ist tot. Hoch soll er leben! Wie es um den Patienten wirklich steht, weiß man nicht. (…) Und wie immer, wenn Politik und Bürger auch nicht mehr weiter wissen, muss nun die Kunst ran. Das war schon so bei der kulturellen Zwischennutzung des Palastes der Republik so. Wie dem Pallazo Prozzo ergeht es jetzt auch dem einstigen Schaufenster des Berliner Westens. Die frisch gegründete Gruppe Oper Dynamo West hat es ernst genommen mit der Vor-Ort-Begehung, hat allen Unkenrufen zum trotz das ganz normale Westberlin gefunden. Was sie damit in Zukunft anstellen, bleibt abzuwarten. Die erste eigene Komplettinszenierung ist schon in Planung. Wir werden ihn im Auge behalten, den bis dahin, zumindest kulturell hoffentlich wieder wilden Westen.

(Berliner Morgenpost, 22.7.2006)